das Heimathaus, Graphik von Albert Reinker historischer Porsche

Bürgerschützen- und
Heimatverein
Everswinkel

Veteranen der Landwirtschaft.

Es rattert, knattert und ächzt. „Uff, uff, uff. Das ist das typische Geräusch, das der Lanz von sich gibt.“ Josef Beuck zeigt auf einen alten Trecker und gerät richtig ins Schwärmen, wenn er von den alten Vehikeln spricht.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Everswinkel hatte die dritte Oldtimer-Treckerschau zusammen mit seinem achtköpfigen Team auf die Beine gestellt. Nun freut er sich über die große Resonanz. Die Wiese am Mitmach-Museum ist voll.

Bernhard Engelmeyer ist mit seinem 54 Jahre alten Deutz extra aus Hagen am Teutoburger Wald angereist. Die 50 Kilometer ist der 76-Jährige mit 28 Stundenkilometer über Land gefahren. Doch das ist für den Treckerfreund überhaupt kein Problem: „Der Weg ist das Ziel.“ Der Landwirt ist ständig mit seinem Gefährt unterwegs und war sogar schon im Allgäu. Immer dabei: Sein mit vielen Aufklebern verziertes Schlafgespann und die eigens installierte Musikanlage. Wenn er die aufdreht, ertönen aus dem grün lackierten Lautsprecher laute stimmungsvolle Märsche, gefühlvolle Heimatlieder und auch die Deutsche Hymne hat Engelmeyer im Repertoire. „Die Menschen winken mir zu, schunkeln oder singen mit“, erzählt er strahlend von seinen Erlebnissen unterwegs.

Als der gesamte Trecker-Tross zum Auftakt der Veranstaltung durch das historische Viereck des Ortes tuckerte, bestätigte sich dies. Die zahlreichen Zuschauer freuten sich über die musikalische Einlage.

Engelmeyer ist aber nicht der einzige mit einem so kuriosen Fahrzeug. Manch uriges Schaustück erregte bei den Besuchern ebenfalls besondere Aufmerksamkeit wie beispielsweise das von Thomas Warschkow. Sein Trecker ist ein wahrer Hingucker. Am Gespann hängen Dinge wie Laternen, Töpfe, Pfannen, Hufeisen und Holzschuhe – ein praktischer Mix.

Die größte Gruppe hatte zugleich die weiteste Anreise. Die Treckerfreunde „De Doskerkerls“ sind mit 20 Leuten aus dem 72 Kilometer entfernten Velen gekommen. „Wir sind um 8 Uhr losgefahren und waren um 13.15 Uhr hier“, erzählt Josef Schüttert, der von allen nur Jupp genannt wird. Seine Schlafstätte an diesem Abend ist ein umfunktionierter Miststreuer. Die Truppe hat unter anderem einen originalen Feuerwehrwagen ihrer Gemeinde Velen aus dem Jahr 1963 mitgebracht.

Neben der Ausstellung gibt es zudem ein kleines, aber feines Rahmenprogramm. So können die Kinder beim Seile drehen ihren eigenen Strick fertigen und Bernhard Börding hat einen Geschicklichkeitswettbewerb organisiert. Zwei Bohlen liegen auf einem runden Holzbalken. Die Fahrer müssen so gekonnt auf die Wippe fahren, dass sie den Trecker in Balance halten. Wer dies am schnellsten bewerkstelligt, hat gewonnen. Eine ganze Reihe an Zuschauern hat sich bereits versammelt, um das Spektakel zu verfolgen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie Jupp Schüttert feststellen muss. Der Velener schafft es erst nach einer ganzen Weile. Ebenso wie Hubertus Beumer. Der Alverskirchener ist mit einer echten Rarität da. Sein Ferguson 35 wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Das Besondere: Der Trecker wurde von seinem Vater als Neufahrzeug gekauft und hat ob seiner goldenen Mitte den Spitznamen „Goldbauch“ verpasst bekommen. „Das Fahrzeug wurde so nur im Jahr 1957 ausgeliefert. Also wie hier in gold-grau“, erklärt der Landwirt nicht ohne Stolz.

Auch Reinhard Schlautmann und Egon Drügemöller aus Müssingen sind leidenschaftliche Treckerfans. Wenn es im Winter auf ihren Höfen nicht viel zu tun gibt, dann treffen sie sich in der Schrauberscheune und basteln an landwirtschaftlichen Motoren oder restaurieren die Karossen. Die meisten Aussteller sind nicht zum ersten Mal dabei – aber sicher auch nicht zum letzten Mal.

Quelle: Westfälische Nachrichten am Montag, 31.07.2017, von Marion Bulla

 

Technik, die begeistert

Aus Interesse an der alten Technik, um in Kontakt mit Gleichgesinnten zu sein und um die Atmosphäre zu genießen, kamen auch am Sonntag viele Besucher zum 3. Everswinkeler Trecker-Treff am Mitmach-Museum. 105 historische Traktoren nahmen an der Präsentation teil und ließen so manches Besucherherz schneller schlagen.

„Es gibt bestimmt 30 Treffen an so einem Wochenende“, erzählte Aussteller Friedhelm Dunkel aus Dortmund. Was ihn und seine Kollegen an den Treckern begeistert, ist vorrangig die Technik. „Reparaturen werden selbst gemacht.“ Deswegen brauche man gute Kenntnisse, um einen Oldtimer langjährig funktionstüchtig zu halten. Auch wird die Instandhaltung von vielen Besitzern selber übernommen, weil nicht alle Auto- bzw. Landmaschinenmechaniker sich noch mit diesen alten Fahrzeugen auskennen.

Um den Geschicklichkeitsparcours am Sonntag zu meistern, mussten die Treckerfahrer so auf ein Seil fahren, bis dieses so gespannt war, dass sich ein damit verbundener Eimer schräg stellte. In diesem befanden sich zehn Liter Wasser, und Ziel war es, genau vier Kilo Wasser (inklusive Eimergewicht) in den Eimer auf dem Boden zu kippen. Gebaut hat die Konstruktion Bernhard Börding. Schwierigkeiten lagen in der passenden Geschwindigkeit und der damit verbundenen Halteposition auf dem Seil. So konnte verhindert werden, dass nicht gleich der ganze Eimer geleert wurde oder nur ein paar Tropfen Wasser aus dem Eimer kamen. Mitunter kam es vor, dass der Trecker nicht richtig auf dem Seil stand. Gewinner des Wettbewerbs war Stefan Köckert aus Beelen mit genau 3,605 Kilogramm.

Ein weiteres Tageshighlight war die Vorstellung der Traktoren durch Karl Hartmeyer von den Oldtimerfreunden Greffen. Es gab die Kategorien Mc Cormick, Deutz, Lanz, Schlüter, Hanomag und „Verschiedene“. Zudem wurden Trecker von Güldner vorgestellt. Besonders beliebt war früher die Herstellungsfirma Lanz, die am Anfang der 60er Jahre allerdings von der amerikanischen Firma John Deere übernommen wurde. Die stellt bis heute noch Trecker her.

Einen wichtigen Unterschied liege zwischen den bekannten Marken Deutz und McCormick zeigte Hartmeyer auf: Deutz Traktoren waren bis in die 90er Jahre nur luftgekühlt, wohingegen McCormick-Modelle schon immer wassergekühlt waren. Lanz-Modelle konnte man mit Luft- oder Wasserkühlung kaufen. Ein auffälliges Merkmal der Marke Schlüter war, dass diese ihr Design alle zwei Jahre wechselten. Und wer weiß schon, dass auch Porsche Traktoren hergestellt hat. Beim Trecker-Treff konnte ein Diesel Porsche Standard bewundert werden. Der hat niedliche 25 Pferdestärken. Auch ein Traktor von Mercedes wurde gezeigt.

Während der Veranstaltung konnten Kaffee und Kuchen sowie Grillfleisch und frisches Steinofenbrot verzehrt werden. Zudem hatten alle Besucher die Möglichkeit, an einer Führung durch das Museum teilzunehmen. Für die Aussteller gab es zum Abschluss eine Urkunde als Erinnerung an einen großartigen 3. Everswinkeler Trecker-Treff.

Quelle: Westfälische Nachrichten am Dienstag, 01.08.2017, von Jana Stumpe

 

Bürgerschützen- und Heimatverein St. Hubertus Everswinkel e.V.