Westfalen müssen sich nicht verstecken.

Die plattdeutsche Band Pattu am 8. April 2016 im Rathaus Everswinkel

"Graut Spektakel im Rathaus-Foyer"

Die plattdeutsche Band Pattu am 8. April 2016 in Everswinkel

Everswinkel (wm) - Westfalen brauchen sich nicht zu verstecken. Dazu sind sie auch zu selbstbewusst, auch wenn es etwas langsamer zugeht. Die allzu oft propagierte Mundfaulheit und das sture Wesen gehören eigentlich in den Bereich der Sparsamkeit und des berechtigten Eigensinns.

Aus diesen Eigenschaften schaffen die vier Musiker der Band "Pattu" ein buntes und humorvolles Programm, das vielfach schon begeistert aufgenommen und sogar mit Auszeichnungen gewürdigt wurde. In Everswinkel hat das jetzt viele Freunde gefunden. Auf Einladung des Heimatvereins gab es ein Konzert, das die Herzen der plattdeutschen Sprachliebhaber höher schlagen ließ.

Es sind die "Leeder von't Landliäben vadage un fröher", die mit viel Schwung, Swing und Blues ein Charakterbild zeichnen, das den Westfalen neu definiert. Da geht es um die "kolle Sophie", die bei Iglo in der Tiefkühlhalle die Oliven auf die Pizza streut, oder um "Bäänd mit seinem Fendt", der schließlich ins Paradies kommen soll, allerdings ohne seinen geliebten Traktor.

Da erkennt man den "latinschken Buern", der über Einstein, Keppler und Steven Hawking philosophieren kann, aber seinen Hof nicht bewältigt. Im "Duorpstraoten-Blues" wird das Kneipensterben ebenso aktuell behandelt, wie die kunstsinnige Frau Martha, die entgegen der Stimme des Ehemanns mit dem Kaplan der Gemeinde nach Paris ausbüxt.

Garniert werden die Lieder, die mit bewundernswerter Musikalität vorgetragen werden, mit Dönekes und kurzen Erzählungen, die das Zwerchfell strapazieren. Georg Bühren — der Mann vom Kleiboden — liefert Texte und Gesang, unterstützt wird er von Jürgen Mönkediek — der Mann vom Sandboden - mit Gesang und einem Saxophon. Alexander Buske begeistert mit exzellenten Gitarrenklängen, während Peter Egger mit seinem Bass den Takt und melodiöse Ruhe einbringt. Ohne zwei Zugaben ließ man die Gruppe, die sich als "Betriebssportgruppe" fühlt, weil alle Mitglieder beim WDR in verschiedenen Bereichen tätig sind, nicht von der Bühne.

Text und Foto: Wilfrid Mettelem